Sie lauern in den Schatten der Finsternis ...


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Bulgarien

Studienreisen

Eine Reise abseits der Strände in das weniger bekannte Bulgarien

Dieser Urlaub war anders!

Schon allein deswegen, weil ich hauptsächlich in der Geschichte Bulgariens – im 14. Jahrhundert zum Ende des Zweiten Bulgarischen Reiches – stöbern wollte.
Dazu reisten wir über Sofia nach Veliko Tarnovo, der damaligen Hauptstadt und Zarenresidenz. Das Internet erwies sich nicht als ergiebig, so dass ich nicht genau wusste, was uns erwartete.

Doch wir wurden mehr als angenehm überrascht. Veliko Tarnovo – eine historische Stadt am Fuße des Balkans mit einem jungen Herzen.

Inspiriert zu dieser Reise hat mich ein Facebook-Freund, den ich auf der Suche nach
Informationen über das alte Bulgarien befragte.
Er riet mir – Koffer packen und hinfahren! Was wir im September auch taten!

Den ersten Nachmittag bummelten wir durch die schmalen Gassen von Veliko Tarnovo bis zur Festung Tsarevets. Ihr galt mein besonderes Interesse, denn sie war Zarensitz im Zweiten Bulgarischen Reich (1186-1396). Sie galt als eine der schönsten Städte. Unzählige Handwerker und Künstler lebten und arbeiteten in den engen Gassen auf den drei Hügeln und am Fluss Jantra, der sich durch die Landschaft windet..
Nach Eroberung durch das Osmanische Heer am 17. Juni 1393 wurde die Stadt geplündert und niedergebrannt. Die scheinbar uneinnehmbare Festung fiel durch Verrat.
Seit dem 19. Jahrhunder wurden Grabungen durchgeführt und die Reste des Zarenpalastes, der Patriarchenkirche "Christi Himmelfahrt" auf dem Tchen Tepe, viele kleinere Kirchen und Wohnhäuser freigelegt. Jeder Stein atmet die Geschichte des bulgarischen Volkes, das vom Ende des 14. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts unter osmanischer / türkischer Fremdherrschaft stand.

Tzsarevets
Spektakuläre Lightshow zur Erinnerung an den Fall der Zarenhauptstadt 1393

Der 22. September ist in Bulgarien in Nationalfeiertag, der Tag der Unabhängigkeit. Am Abend erwartete uns eine Show namens "Sound and Light" (Zvuk i Svetlina) auf dem Tsarevets Hill. Wir wählten einen Platz an der Straße zur Uni am Rande des Sveti Gora. Kaum hatte ich meine Kamera aufs Stativ geschraubt, begann bereits ein spektakuläres Feuerwerk.
Aus der Ferne hörten wir das Geräusch von Glockengeläut und dramatische Musik, die Festungsmauern und Hügeln leuchten in verschiedenen Farben im Rhythmus der Musik.
Die Licht-Show erzählt die tragische Geschichte Bulgariens - große Kämpfe gegen die Eroberer, die Leiden der Sklaven und schließlich das Fest der Freiheit.

Arbanasi

Arbanassi ist eines der malerischsten bulgarischen Dörfer.

Es versteckt sich auf einem Plateau, vier Kilometer nordöstlich von Veliko Tarnowo. Von den vielen während des Zweiten Bulgarischen Reiches erbauten Klöstern sind in Arbanassi zwei noch zu sehen.

Große, aus Stein gebaute Häuser - das Konstanzaliew-Haus, die Christi-Geburt-Kirche (die älteste, schönste, größte und bekannteste Kirche in Arbanassi. Errichtet auf einem älteren Tempel, mit Wandmalereien um 1598. Es sollen rund 5000 Figuren die Wände schmücken) und viele weitere historische Gebäude können in diesem Museumsdorf besichtigt werden. Zur Zeit der Osmanenherrschaft war der Ort ein wahres Zentrum der Christen, versteckt vor den Augen der Weliko Tarnowo verwaltenden Osmanen.

Arbanassi
Hl. 40 Märtyrer

Assenova Machala
Auf dem Rückweg von Arbanassi (4 km Landstraße mit reichlich Verkehr und wenig Schatten) besichtigten wir das Asenov-Viertel zwischen Trapezicia und Tsarevets. Das Viertel ist nach dem Namen des Bojaren und Zaren Assen benannt. In diesem Stadtviertel befinden sich viele Kirchen – „Hl. Dimiter von Thessaloniki“, „Hl. 40 Märtyrer“, „Hl. Apostel Peter und Paul“ und „Hl. Georg“. Über den Fluss Jantra erstreckt sich die so genannte „Vladischki Most“. Das ist eine berühmte Brücke (auf Bulgarisch „most“), die ehemals und heute noch beide Teile des Viertels verbindet.

Archäologisches Museum

Da musste ich natürlich auch rein! Wir waren morgens die ersten Besucher. Es war noch abgesperrt, doch ein schriller Klingelton liess die Mitarbeiterin freudig zur Tür eilen. Sie schaltete alles Lichter in den Räumen für uns ein und verschwand wieder.
Die Ausstellung umfasst vor allem Funde aus der Bronzezeit bis zum 14. Jahrhundert - also genau die Zeit, die mich interessierte. Alltags- und Schmuckgegenstände, die auf dem Tsarevets gefunden wurden, begeisterten mich besonders.

Spielzeug im Archäologischen Museum
Samovodska Ladenstraße -  Samovodska Tscharschija

Auf dem Rückweg spazierten wir durch die Samovodska Ladenstraße - Samovodska Tscharschija. Sie war einst Mittelpunkt von Handel und Handwerk. In der Ladenstraße werden die traditionellen bulgarischen Kunsthandwerke gepflegt. Der alte Marktplatz entstand Anfang des 19. Jahrhunderts. Am Tag zuvor verpasste ich die richtige Abfahrt von der Autobahn und landete in diesen steilen Kopfsteingassen. Wenn mich vorher jemand gefragte hätte, ob ich durch diese Straßen fahren würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt, doch durch das Verfahren blieb mir nichts weiter übrig. Aber ich und das Auto haben es unbeschadet überstanden.

Kloster Dryanovo - Drjanovski manastir

Das Kloster liegt in einem Tal eingebettet zwischen schroffen Felsen. Ein kleiner Fluß plätschert gemächlich daran vorbei. An den Felsen entdeckte ich Symbole von Fledermäusen - und war total begeistert. Dies ist genau der Ort, an dem meine Vampire hausen werden!
Eine Landkarte der Umgebung wies zwei alten Festungen aus, die sich für meine Ideen geradezu anbieten.

Wenn es im Umkreis unseres Urlaubsgebietes Höhlen gibt, müssen wir dort auch rein!
Oberhalb des Klosters, vorbei an einem kleinen Wasserfall, befindet sich die Höhle Batscho Kiro. In der "Batscho Kiro"-Höhle wurden die ältesten Spuren von Leben auf dem Balkan aus dem Paläolitikum entdeckt. Die Höhle wurde von Neandertalern bewohnt, die sich dort in der Gletscherperiode angesiedelt hatten. Ihr Recht, dort zu wohnen, errungen sie im Kampf gegen Wildtiere. (Höhlenbär und Höhlenhyäne) Im Höhlenraum mit Namen Metschata polyana genannt wurde ein riesiges Skelett mit einer Länge von 3 m entdeckt.
1940 wurde sie Batscho Kiro genannt - nach einem berühmten Naturfreund und Reisenden, Nationalheld des Aprilaufstandes im Dryanowo-Kloster zur Zeit des türkischen Jochs.

An der Höhle beginnt ein Wanderweg, der über die Brücke am Wasserfall führt - wir versuchten uns nicht daran! (mehr dazu im Ebook) Weitere Wanderwege führen um das Kloster herum. Am Fluß gibt es ebenso wie im Kloster selbst Restaurant. Ein Hochseil-Klettergarten lädt zu Mutproben ein.


Schroffe Felsen im Tal von Dryanovo
Wohnraum einer bulgarischen Familie im 14. Jahrhundert

Unser letzter Tag in Veliko Tarnovo begann mit heftigem Regen. Unsere Hoffnung, dass der Schipkapass über den Wolken lag, erfüllte sich leider nicht. Dort oben war der Nebel so dicht, dass man kaum die Hand vor Augen sah. Doch kurz nachdem wir den Pass wieder verlassen hatten, lichtete sich der Nebel.

So machten wir am Etar Architectural-Ethnographische Komplex in Grabovo halt. Das ist ein Freilichtmuseum am nördlichen Rand des Naturparks Bulgarka. Es stellt bulgarische Bräuche, Kultur und Handwerk vor und umfasst insgesamt 50 Objekte, darunter Wasser-Installationen und Häuser mit Handwerksbetrieben. Man kann vielen traditionellen Handwerkern bei der Arbeit zusehen und natürlich die hergestellten Produkte auch kaufen.

Am Nachmittag riß die Wolkendecke auf und es wurde noch einmal richtig warm mit 28 °C. Es sollte sicher unser letzter warmer Tag im Jahr 2010 sein. Der Wetterbericht von zu Hause versprach nichts Gutes!
So bummelten wir den letzten Abend nochmals gemächlich durch die Stadt mit ihren vielen Treppen, alten Häusern, neuen Gebäuden, Bars und Restaurants.

Wir wunderten uns oft über die vielen jungen Leute in der Stadt, die auch werktags sowohl am Tag als auch Abends die Bars bevölkerten. Die Frage, womit sie ihr Geld verdienen, konnten wir nicht beantworten. Und noch etwas fiel uns auf - fast alle rauchten fast überall - und die meisten liefen mit dem Handy am Ohr durch die Stadt. Selbst der Busfahrer, der sein Gefährt um die steilen Kurven lenkte, war am Telefonieren!

Ich fand in Veliko Tarnovo, was ich suchte. Nun konnte ich mich mit Feuereifer auf das Schreiben meines nächsten Buches stürzen.

Das komplette E-Book gibt es hier zum kostenlosen Download.

--> Reise nach Tarnowo


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